Krimi-Dinner

Vorgeplänkel

Zu Beginn dieses Schuljahres habe ich (der Schulleiter) mit der damaligen Leiterin unseres Theaterkurses über unterschiedliche Schultheaterstücke gesprochen. Als unseren Favoriten stellten wir den Schülerinnen und Schülern die Idee eines „Krimi-Dinners“ vor. Die Schülerinnen und Schüler waren von der Möglichkeit, die Theateraufführung mit einem selbst zubereiteten Essen zu kombinieren, sofort begeistert. So war die Idee geboren…

Die ersten Hindernisse und Schwierigkeiten ließen jedoch nicht lange auf sich warten: Die vorgesehene Mitarbeiterin musste den Theaterkurs aus persönlichen Gründen nach einigen Wochen aufgeben und einen Ersatz hatten wir nicht in petto. Obwohl wir alle Beziehungen und Kontakte in Bewegung setzten, dauerte es bis Mitte November, bis wir eine äußerst fachkundige Theaterpädagogin gefunden hatten – Anja Mewes war bereit, bis zu den Osterferien den Kurs zu leiten und die Aufführungen des Krimi-Dinners mit den Schülerinnen und Schülern vorzubereiten!

Dabei stand zuerst die Auswahl eines entsprechenden Theaterstückes im Vordergrund; es musste den Ansprüchen eines in der Öffentlichkeit vorzeigbaren Theaterstückes genügen, durfte aber von den Texten nicht derart schwierig sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler dies in der Kürze der Zeit von Mitte Dezember bis Mitte März nicht hätten lernen und umsetzen können. Die Auswahl fiel auf das Theaterstück „Don Calzone“ von Isabella Leicht. Dieses Stück konnten wir übernehmen, ohne dass eigene Texte verfasst oder die vorhandenen Texte groß umgeschrieben werden mussten. Perfekt!

Und dann ging es los …


Der Anlass

Der allseits geachtete Don Calzone hat zu seinem 60. Geburtstag alle näheren und weitläufigeren Verwandten und Freunde seiner familia zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Der Einladung sind 60 Gäste gefolgt. Sie haben sich in der entsprechend hergerichteten Aula der Realschule Wallenhorst, im „ristorante o sole mio“ eingefunden, um den Geburtstag des Don gebührend zu feiern.

Empfang

Um 18.00 Uhr steht bereits ein Großteil der geladenen Gäste vor der Eingangstür. Pünktlich um 18.00 Uhr (und keine Minute früher) öffnen sich die Türen. Der Hausherr Stefan Schmidt begrüßt jeden einzelnen Gast – wie es bei einer italienischen Familienfeier in einem edlen Restaurant Tradition ist und zum guten Stil gehört natürlich per Handschlag.

Im Foyer erwarten die Schülerinnen und Schüler unserer 10. Klassen die Gäste mit einem Glas Prosecco oder Orangensaft. Bevor die Gäste zu ihren Plätzen durchgelassen werden, lassen es sich der Don, die engsten Familienangehörigen und Freunde der Familie nicht nehmen, jeden Gast einzeln entsprechend willkommen zu heißen. Einige Gäste werden mit einem kleinen Geschenk besonders herzlich begrüßt – was es mit diesen Geschenken wohl auf sich hat? – doch dazu später mehr.

Nach und nach setzen sich alle an die stilvoll gedeckten Tische und bestellen bei dem sehr gut vorbereiteten Service die ersten Getränke. Schnell lernen sich die Tischnachbarn kennen und genießen das Ambiente in dem stimmungsvoll hergerichteten „ristorante o sole mio“ unserer Realschule. Und alle warten gespannt auf den Don.

Erster Akt

18.30 Uhr: Die ersten beiden Ehrengäste durchqueren laut diskutierend das Restaurant und setzen sich an den Ehrentisch: Es sind Angela und Angelo, die Nichte und der Neffe des Don. Kurz darauf kommen der schon leicht angetrunkene Cousin der Cousine des Don, der Schotte Scott MacPuff, die beiden besten Männer des Don, Luca und Toni, die sich immerfort streiten und der Hausanwalt Schlowanni, der gekonnt den Abend moderiert. Nachdem sich alle am Ehrentisch versammelt haben, betritt der Don den Saal und lässt sich gebührend feiern – mit reichlich Applaus und einem später aus dem Stehgreif intonierten Geburtstagslied aller Gäste. Und nun werden auch die Gäste begrüßt, die beim Empfang ein kleines Präsent erhalten haben. Es sind

  • das ehemalige Supermodell Lolo Rosso,
  • Frederico, der Bruder des Don aus Neapel,
  • Antonia Calzone, die Schwester von Dons Schwager und
  • Edward, der Barbier des Don.

Zu guter Letzt trifft die bezaubernde Principessa, eine alte Freundin des Don, ein. Sie wird besonders herzlich vom Don begrüßt … Steckt da etwa mehr dahinter?

Doch dann nimmt das Unglück seinen Lauf. Angela wird vom Don aufgrund ihres recht lasziven Outfits kritisiert und muss sich einige Sprüche aus der Kategorie „schlechte Männerwitze“ anhören. Sie verlässt wutentbrannt den Raum und wird kurze Zeit später tot auf der Toilette aufgefunden, ertränkt in der Kloschüssel! Was war passiert? Ein Unfall oder gar ein Mord? Diese Frage steht nicht sonderlich lange im Raum, denn nach kurzer Trauerphase, Angela wird aufgebahrt und zugedeckt, widmen sich alle weiter dem Geburtstag des Don. Mit den Worten „Genug getrauert, ich habe Hunger“ geht es zum ersten Gang: Antipasti (Bruschetta) mit einer Prise cianuro di potassio (zu Deutsch: Zyankalie). Die stumme Haushälterin des Don, Mariella, gibt das Zeichen für den Service, das Essen zu servieren.


Der zweite Akt

Der zweite Akt beginnt mit dem Auftritt des Commissario Ragazzo. Schnell wird deutlich, dass keiner der Ehrengäste und am wenigsten der Don selbst den Commissario im Raum haben möchten, geschweige denn eine Untersuchung der Polizei als notwendig ansehen, „solche Vorfälle regeln wir unter uns“. So wird die Kompetenz des Commissario systematisch untergraben, indem er einmal als Praktikant ein anderes Mal als junger Schnösel und anderem mehr bezeichnet wird. Einzig die Leiche der Angela kann die familia jedoch nicht vor ihm verbergen, mit der Folge, dass er lange genug im Restaurant bleibt, um die nächsten Toten mitzuerleben. Und so bleibt der Commissario (fast) bis zum Schluss und ermittelt gegen den Willen des Don weiter. Allerdings kommt nicht viel bei diesen Untersuchungen heraus, was weniger an seinem Kompetenzdefizit liegt, sondern vielmehr an Dons Gefolge: Spuren werden verwischt, Leichen verschwinden, Beweise werden gefälscht und keiner scheint sich an den Toten zu stören. Einzig der Principessa scheint das ewige Morden in der Umgebung der Familie zuzusetzen. Sie verschwindet kurzerhand mit dem Schotten Scott an die frische Luft – und kommt allein zurück! Aber wo ist Scott MacPuff? Er kehrt nicht wieder!

Die Suche nach Scott muss vorerst zurückgestellt werden, denn es geht hoch her vor dem bis auf den Don verwaisten Ehrentisch: Luca und Toni streiten sich wieder einmal lauthals und finden kein Ende. Da setzt der Don der Diskussion ein Ende, allerdings ein für die beiden endgültiges. Dem Don platzt der Kragen, er macht kurzen Prozess mit Luca und Toni und zieht seine Pistole. Es knallt und raucht, da waren es der Leichen drei! Und gegen Ende dieser Szene taucht auch die stumme Mariella wieder auf. Welche Rolle spielt sie denn nur?

Bei so viel Aufregung freuen wir uns auf den zweiten Gang: Penne all’arrabiata mit einer Prise arsenico (zu Deutsch: Arsen). Buon appetit.


Der dritte Akt

Beim Essen wird auch dem Letzten klar geworden sein, dass es hier und heute nicht darum geht, den Mörder zu suchen. Schließlich ist zumindest der Mörder von Luca und Toni offensichtlich! Aber worum geht es? Schließlich war doch angekündigt, dass auch die „normalen“ Gäste eine Rolle spielen. Aber vielleicht ist diese Rolle auch auf das Heraustragen der Leichen beschränkt?

Der dritte Akt beginnt wieder dubios: Scott ist weg, Principessa ist aufgelöst, der Commissario kann auch nicht helfen, obwohl er es wenigstens versucht. Und dann wird Scott gefunden, mit einem eingeschlagenen und blutüberströmten Kopf! Principessa ist völlig außer sich, sie hat genug vom Morden und beschuldigt alle der familia des Verbrechertums: Erpressung, Korruption, Morde – dabei will sie tanzen, feiern, sich freuen.

Derweilen hat der Commissario doch noch etwas geradezu Sentationelles wenn auch für jeden Offensichtliches ermittelt: Scott ist ermordet worden! Auch die Mordwaffe, der Golfschläger, wird gefunden und zwar unter Angelos Stuhl. Damit hat der Commissario seinen ersten Hauptverdächtigen: Angelo! Aber mittlerweile ist die Leiche von Scott MacPuff weg! Angelo behauptet steif und fest, dass Scott gar nicht ermordet wurde, sondern bereits nach Schottland abgereist ist. Nun möchte der Commissario Verstärkung rufen; sein letzter Fehler, auch mit ihm wird abgerechnet, natürlich bevor er telefonieren kann. Nun haben wir bereits 5 Leichen oder vielmehr jetzt sitzen nur noch 5 Lebendige am Ehrentisch.

Dieses ständige Morden – Principessa kann nicht mehr und beschuldigt ganz offen den Don. Sie habe den Don immer geliebt, aber hier habe sich in den letzten 20 Jahren nichts geändert. Das kann der Don natürlich nicht auf sich sitzen lassen und … auch die schöne Principessa muss von den Gästen herausgetragen werden. Das Kühlhaus füllt sich. Und nun lüftet sich auch das Geheimnis um den Auftrag aller anderen Gäste. Die Frage an die Gäste lautet: Wer der nun nur noch vier Anwesende am Ehrentisch wird diesen Abend überleben?

  • Angelo, der dann die Nachfolge des Don antreten kann?
  • der Anwalt Schlowanni, der als Neffe von Berluscampi ein perfekter Don wäre?
  • Don Calzone, der noch lange nicht abtreten will und alle potentiellen Nachfolger abserviert?
  • das stumme Dienstmädchen Mariella, deren Motiv noch im Dunkeln liegt?

Um allen Gästen genügend Zeit zum Nachdenken und Diskutieren zu geben, geht es nun in den 3. Gang über. Es gibt Panna Cotta mit einer giftigen Soße.


Schluss

Wer der Gäste hat den richtigen Tipp? An unserem Tisch entbrennt eine lebhafte Diskussion, Favorit für den einzigen Überlebenden dieses Abends ist bei uns der Anwalt des Don. Anwälte überleben doch immer alles, außerdem ist Schlowanni der Neffe von Berluscampi! Auch die stumme und geheimnisvolle Mariella ist eine heiße Kandidatin, wobei niemandem eine passende Begründung einfallen will. Also sind wir gespannt auf den weiteren Verlauf.

Zuerst muss der Don höchstpersönlich das Zeitliche segnen. Er erstickt an einem Hühnerknochen im Nachtisch. Ein Hühnerknochen? Es gab doch den ganzen Abend kein Huhn. Aber wer diesmal der Mörder ist, interessiert eigentlich keinen im Saal, schließlich geht es darum, wer am Ende am Leben bleibt. Auf jeden Fall ist das Geburtstagskind jetzt weg und nun sind es nur noch drei! Übrigens macht sich jetzt auch niemand mehr die Mühe, den Don aus dem Saal zu tragen. Er bleibt einfach dort liegen, wo er zusammengebrochen ist.

Das Dienstmädchen Mariella verschwindet wieder in die Küche. Schlowanni und Angelo öffnen das Testament des Don, aus dem Angelo als Nachfolger des Don hervorgeht, aber nur, wenn er sich seiner langen Haare entledigt. Dazu ist dieser sofort bereit und er geht zielstrebig zu Edward, dem Barbier des Don. Allerdings hat Edward keine Zeit, seine Schere zu benutzen. Schlowanni greift sie sich und setzt damit Angelos Leben ein blutiges Ende. Da sind es nur noch zwei!

Nun scheint die (Trauer)Feier beendet zu sein. Schlowanni bietet der stummen Mariella an, bei ihm zu bleiben und auch ihm treu zu dienen. Diese findet plötzlich und (nicht ganz) unerwartet ihre Sprache wieder. Aber vorher mischt sie Schlowanni ein Gift in sein Getränk und prostet ihm zu. Und damit haben alle, die auf Mariella gesetzt haben, Recht behalten, sie bleibt als Einzige übrig. Nur was ist ihr Motiv? Das verrät sie uns dann auch noch: Sie ist die Tochter des Chefs der großen Widersacherfamilie der Calzones. Sie ist eine Basimoda. Als stummes Dienstmädchen hat sie sich Zugang zur Familie des Don verschafft und diesen morbiden Plan geschmiedet. Nun möchte sie zusammen mit ihrem Geliebten, dem alten Berluscampi, Sizilien verändern …


Resümee

Das Essen

Gekocht unter Leitung der Lehrerin Barbara Bäumer mit Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen. Eine echte Meisterleistung. Sehr schmackhaft, reichlich und das Hauptgericht heiß serviert! Doch der Reihe nach:

Beim Empfang einen Aperitif, echten italienischen Prosecco (was sonst?), entweder pur oder mit Orangensaft gemischt. Natürlich gab es den Orangensaft auch ohne Alkohol.

Der erste Gang: Antipasti in Form von Bruschetta. Bruschetta ist ein italienischer Antipasti-Klassiker. Die Basis bildet eine geröstete Baguettebrotscheibe, eingerieben mit einer frischen Knoblauchzehe. Darauf ein Belag aus Tomaten, frischem Basilikum und Olivenöl. Sehr lecker.

Der zweite Gang: Penne all’arrabiata. Schön scharf! "All' Arrabbiata", das bedeutet so viel wie "auf die leidenschaftliche Art". Und leidenschaftlich scharf war auch die Kombination aus Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Chili an diesem Abend. Einige mussten ihre Serviette zum Abtupfen der Stirn benutzen. So muss all’arrabiata sein!

Das Dessert: Panna cotta mit einer Himbeersauce. An einem solchen Abend kommt es doch nicht auf die eine oder andere Kalorie mehr an, oder? Panna Cotta heißt übersetzt "gekochte Sahne" und gerade der Fettanteil in der Sahne liefert eben den sensationellen Geschmack. In Kombination mit der leckeren Himbeersauce machte es einfach Lust auf ein zweites Glas. Aber das haben wohl alle gedacht, denn ich habe nichts mehr bekommen!

Insgesamt ein sehr gelungenes Menü und ein riesiges Kompliment an die Köchinnen und Köche. Für 60 Gäste auf den Punkt zu kochen, ich ziehe den Hut!


Der Service

Die Bedienung der Gäste haben Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen übernommen. Eingewiesen von Lehrkräften unter der Leitung von Daniela Kohlbrecher. Allein wie die Schülerinnen und Schüler sich gekleidet und zurechtgemacht haben – mit weißem oder schwarzem Top oder Hemd und einer roten Schürze. Jedes Restaurant hätte sie eingestellt! Dann der eigentliche Service: Perfekt abgestimmt. Das Essen wurde schnell an die vielen Gäste verteilt, freundlich wurde nach Getränkewünschen gefragt und dezent auf leere Gläser reagiert.


Der Gewinn

Die Veranstaltung war von Anfang an nicht als gewinnbringende Schulveranstaltung geplant, sondern als Event für unsere Schule, als ein ganz besonderes Erlebnis, an das sich die Schülerinnen und Schüler auch in 20 Jahren noch erinnern werden. Aus diesem Grund haben wir auf einen großen Eintrittspreis verzichtet und auf freiwillige Spenden auf der Veranstaltung gesetzt.

Aus Schülerkreisen kam zusätzlich einige Wochen vorher die Idee, eine Spendensammlung zugunsten der Aktion „Kinder in Not – Niedersachsen hilft“ zu organisieren. Was liegt da näher, als die Idee der Spendensammlung mit dem Krimi-Dinner zu kombinieren. So haben wir nach Abzug unserer Kosten für die Deko-Materialien und für die Lebensmittel alle Spenden der oben genannten Aktion übergeben (siehe Spendenübergabe). Zusätzlich haben wir in der Woche des Krimi-Dinners alle Schülerinnen und Schüler und deren Eltern und Erziehungsberechtigte zu einer kleinen Spende im Rahmen des Osterfestes aufgerufen (siehe Spendenaufruf).

Fazit

Eine rundum gelungene Veranstaltung. Auch wenn die Organisation vorher dermaßen Ressourcen gebunden hat, dass mir zwischenzeitlich Zweifel bezüglich Aufwand und Nutzen gekommen sind, muss ich sagen: Eine Schule mit solchen Schülerinnen und Schülern kann einfach nur stolz sein und muss sich vor nichts und niemanden verstecken! Wie heißt es so schön „Das war ganz großes Kino“. Ich bin mir sicher, unser Ziel, dass sich alle beteiligten Schülerinnen und Schüler lange an diesen Abend erinnern werden, wird sich verwirklichen und auch für die Zukunft Früchte tragen.


Die Schauspieler

Don Calzone - Angelique Nerger
Mariella - Annalena Eixler
Angela - Annalena Eixler
Angelo - Leonie Langkamp
Schlowanni - Ira Schenk
Principessa - Katharina Frühauf
Commissario Ragazzo - Shareena Paß
Scott MacPuff - Michel Schwegmann
Luca - Liam Bird
Toni - Eileen Lambers

 

 

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