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Interview Starke Schule

Das Interview als pdf gibt es hier -->

Herr Schmidt, Sie haben es in einem Wettbewerb mit rund 500 Teilnehmern unter die ersten Drei geschafft. Gibt es dafür ein Erfolgsrezept?

Ich denke Ja. Entscheidend ist ein starkes Team in der Schule, das sich gemeinsam auf den Weg macht, kontinuierlich etwas Neues zu entwickeln. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht, weil es fast immer unterschiedliche Strömungen gibt, die in verschiedene Richtungen ziehen. Die Kunst besteht darin, das große Ziel der Entwicklung im Blick zu behalten. Dafür sind klare Strukturen hilfreich. Konkret bedeutet das bei uns: Wir haben für die Schulentwicklung eine Steuergruppe eingerichtet. Diese überlegt, welche Ziele anstehen und umgesetzt werden sollen. Außerdem muss im gesamten Kollegium ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass jeder an diesen Zielen mitarbeiten muss. Allen muss klar sein: Wir sind eine Schule und müssen diese Themen voranbringen. Wer in diesem Punkt nur auf Vorgaben des Kultusministeriums wartet, wartet wahrscheinlich zu lange.

 

Ausgezeichnet wurde die Realschule Wallenhorst für ihre transparente Vorgehensweise bei der Lernentwicklung und Berufsorientierung. Was ist damit gemeint und wie wird es umgesetzt?

Wir versuchen die Maßnahmen zur Berufsorientierung transparent zu machen, indem wir mit jedem Schüler konsequent einen Berufswahlordner anlegen, in dem alle Stationen dokumentiert werden, die er ab Klasse 8 im Bereich der Berufsorientierung absolviert hat.
Im Bereich der Lernentwicklung arbeiten wir in den letzten beiden Jahren intensiv an und mit Kompetenzrastern und Lernlisten. Lernen ist ein individueller Vorgang: Der Schüler muss wissen, das kann ich hier lernen, da stehe ich momentan und das ist mein nächster Lernschritt. In den Lernlisten sind die Themen einer Lerneinheit übersichtlich aufgeführt mit Beispiel- und weiterführenden Aufgaben. Außerdem wird der individuelle Lernstand immer wieder von Schülern und Lehrern eingeschätzt. Diese Listen sind auch für die Eltern einsehbar, so dass diese immer wissen, was insbesondere in den Langfächern erwartet wird.

Bewertet wurde von der Jury auch, ob alle Jugendlichen entsprechend ihren Stärken gefördert werden, die Schulen also nicht nur Lern-, sondern auch Lebensorte sind. Auch hier konnten Sie punkten. Wie gelingt Ihnen das?

Berufsorientierung ist auch immer eine Orientierung auf das Leben. Wir wollen die Schüler als Person weiterentwickeln, indem wir ihnen Stück für Stück immer mehr Verantwortung übergeben. Wir haben ganz viele Dienste und soziale Projekte in der Schule installiert, seien es die Pausenaufsicht, der Schülerlotsen-, Schulsanitäts-, Konfliktlotsen-, Hausaufgabenbetreuungs- oder Brötchendienst. Bei einigen Diensten erwarten wir auch, dass die Schüler diese Dienste für sich und ihre Schule übernehmen – das geht schon etwas über das Freiwillige hinaus. Zudem haben wir in jedem Jahrgang je eine besondere Woche eingerichtet: Kennenlernfahrt, Klassenfahrten, Sprachenprojekt, Jugendgemeinschaftstage und Profilwoche.

Wie reagieren die Schüler auf ihren berufsbezogenen Unterricht?

Die Schüler finden die berufsorientierenden Maßnahmen überwiegend super. Meist ist mit der Maßnahme ja auch ein anderer Lernort verbunden. Das macht die Schüler einerseits neugierig und bedeutet Abwechslung, hat andererseits aber einen pädagogischen Sinn: Die Lernorte stellen einen intensiven Praxisbezug her. Wenn die Schüler entscheiden dürften, würden sie bestimmt noch mehr solche Maßnahmen durchführen. In diesem Zusammenhang sind uns aber auch Grenzen gesetzt, schließlich bereiten wir einen großen Teil unserer Schüler auch auf ein Fach- oder allgemeines Abitur vor und benötigen die Unterrichtsstunden.

Nochmal zurück zum Wettbewerb. Aus welchen Gründen haben Sie sich überhaupt für eine Teilnahme entschieden?

Wir sind im Juni vergangenen Jahres in das Exzellenz-Netzwerk „MINT-Schule Niedersachsen“ aufgenommen worden und haben uns bei der Bewerbung stark auf die naturwissenschaftlich-technischen Fächer konzentriert. Kollegen haben darauf hingewiesen, dass wir traditionell auch in anderen Bereichen wie eben der Berufsorientierung oder dem sozialen Lernen stark aufgestellt sind. Deswegen haben wir uns entschlossen, unser Schulprofil in Gänze vorzustellen und damit zu sagen, dass wir insgesamt eine starke Schule sind.

Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 2000 Euro verbunden. Wofür wollen Sie die Summe verwenden und wie profitiert die Realschule außerdem?

Das Geld möchten wir an die Schulgemeinschaft zurückgeben. Die Realschule hat im kommenden Schuljahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Wir möchten daher den Betrag für verschiedene Veranstaltungen rund um das Schuljubiläum verwenden.
Wie wir im Netzwerk der „Starken Schulen“ von der Auszeichnung profitieren werden, wissen wir eigentlich noch gar nicht. Wir hoffen natürlich, dass wir das öffentlichkeitswirksam in dem Maße nutzen können, dass eine eventuell aufkeimende Schulstrukturdiskussion entbehrlich wird. Auf jeden Fall haben wir über das Netzwerk nun die Möglichkeit, uns mit anderen ausgezeichneten Schulen über deren Besonderheiten und Stärken auszutauschen.

Foto: Elvira Parton - NOZ

Info:

Das Berufsorientierungskonzept der Realschule Wallenhorst ist sehr vielfältig und umfänglich. Einige Eckpfeiler: Die spezifische Berufsorientierung beginnt in der achten Klasse mit einem Kompetenzfeststellungsverfahren, über dessen Ergebnis jeder Schüler eine detaillierte Auswertung erhält. Daran anschließend nehmen die Schüler an der Maßnahme BORS (Berufsorientierung an Realschulen) der BBS Bersenbrück teil: Jeden Tag bekommen die Schüler einen Einblick in ein anderes Berufsbild. Außerdem startet in der achten Klasse der Wirtschaftsunterricht, der die theoretischen Grundlagen legt.

Am Ende der 8. Klasse entscheiden sich die Jugendlichen auf Grundlage ihrer bisherigen Erfahrungen und der Kompetenzanalyse für ein Profilfach in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Technik oder Sprachen.

In Klasse 9 folgt auf Betriebspraktikum und Sozialpraktikum eine berufsorientierende Woche auf Basis der gewählten Profilfächer bei verschiedenen Kooperationspartnern wie zum Beispiel der VW-Produktionsstätte in Osnabrück, dem Unternehmen Koch, den Berufsbildenden Schulen an der Brinkstraße und Haste, den Ameos-Kliniken, der Völkerschule oder der Sprachschule Eilert.

Außerdem werden Bewerbungstechniken oder Verhalten im Vorstellungsgespräch in einem von einer Personalfirma durchgeführten einwöchigen Bewerbertraining geschult. Zusätzlich ist regelmäßig der Berufsberater der Agentur für Arbeit in der Schule. Schüler, die weitere Unterstützung benötigen, können durch eine externe Beraterin gecoacht werden. Betriebsbesichtigungen, Berufsbilderkundungen und andere ergänzende Maßnahmen vervollständigen das Konzept.

Das Interview hat Christina Halbach geführt. Es wurde in Teilen am 01.03.2017 in der NOZ veröffentlicht.

 

Anmeldungen 5. Klassen für 2017/2018

Die Termine zur Anmeldung für die fünften Klassen an unserer Realschule sind am ...

 

Mittwoch, 26.04.17

und

Donnerstag, 27.04.17

 

 

von 14.00 - 18.00 Uhr

 

von 8.00 - 12.00 Uhr
und
von 14.00 - 17.00 Uhr

 

 

Weitere Termine können selbstverständlich in Absprache vereinbart werden.


Bitte bringen Sie zur Anmeldung das aktuelle Halbjahreszeugnis im Original und nach Möglichkeit das Beratungsprotokoll der Grundschule mit.

 

Berufsorientierungsparcour

Betriebe lernen Auszubildende in Wallenhorst kennen

Die Vielfalt der heutigen Berufswelt macht es Jugendlichen nicht einfach, den passenden Ausbildungsplatz zu finden. Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren.  Der Berufsorientierungsparcours – kurz B.O.P. – im Wallenhorster Schulzentrum brachte jetzt beide zusammen.

Dort wo sonst die Schüler ihre Pausen verbringen, präsentierten sich am Freitagvormittag 36 Wallenhorster und weitere regionale Ausbildungsbetriebe anhand von typischen Tätigkeiten. Foto: Elvira Parton, NOZ

Dort wo sonst die Schüler ihre Pausen verbringen, präsentierten sich am Freitagvormittag 36 Wallenhorster und weitere regionale Ausbildungsbetriebe anhand von typischen Tätigkeiten. Rund 480 Jugendliche der Klassen 8 und 9 kamen mit Chefs und Auszubildenden ins Gespräch und absolvierten verschiedene Arbeitsproben. Teilgenommen haben neben der Wallenhorster Real- und Hauptschule auch die Angelaschule Osnabrück, die Johannes-Vincke-Schule Belm, die Hauptschule und die Wilhem-Busch-Förderschule Bramsche.

Mit Laufbuch unterwegs

„Die Schüler können in einem sicheren Raum mit den Unternehmen in Kontakt kommen“,  erläutert Susanne Steininger, Bereichsleiterin Übergangsmanagement Schule-Beruf der Maßarbeit. Die im Landkreis Osnabrück angesiedelte Servicestelle organisiert B.O.P. gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Wallenhorst sowie der Alexander- und Realschule und ersetzt die bisherige als klassische Messe gestaltete Ausbildungsplatzbörse. „Mit dem erweiterten Konzept können wir noch stärker auf die Bedürfnisse der Betriebe und potenziellen Auszubildenden eingehen“, stellt Maßarbeit-Mitarbeiterin Katrin Hüls dazu fest. So müssen sich die Schüler bereits im Vorfeld für Ausbildungsbetriebe entscheiden, die sie näher kennenlernen wollen und in einem Laufbuch dokumentieren.  Jugendliche wie Unternehmen haben darüber hinaus die Möglichkeit, durch den Austausch von Visitenkarten miteinander in Kontakt zu bleiben. (Weiterlesen: Realschule Wallenhorst beim Wettbewerb „Starke Schule“ vorn )

Alterssimulatoren

„Das Konzept ermöglicht, handlungsorientiert vorzugehen“, stellt Hannes Kamp, Realschule Wallenhorst, heraus. Der Leiter des Fachbereichs Arbeit, Wirtschaft und Technik hat die Schüler auf den Tag vorbereitet, so auch Marlena Lückmann und Neele Poggemann. Die beiden 14-Jährigen haben bereits Gespräche mit Mitarbeitern einer Bank sowie eines Fachgroßhandels für Haustechnik geführt. Jetzt steuern sie den Stand des Wallenhorster Caritas-Pflegedienstes an. „Ich möchte wissen, wie das ist, anderen Menschen zu helfen“, begründet Marlena ihr Interesse an der Pflegeeinrichtung. Das Caritas-Team hat sich auf B.O.P. gut vorbereitet: Alterssimulatoren ermöglichen, sich in die Lage von älteren Menschen hineinzuversetzen, Caritas- Mitarbeiterin Lena Flore lässt die beiden Schülerinnen einen Verband anlegen. „Die Pflegebranche hat bei Jugendlichen ein Imageproblem“, stellt Kollege Bernhard Jakob derweil fest. Für ihn bedeutet diese Veranstaltung daher auch Personalakquise. Herauszufinden, ob jemand für den Pflegeberuf geeignet ist, dafür seien die kurzen Kontakte durchaus geeignet. „Ich kann den Leuten zuschauen, wie sie gewisse Dinge angehen und mit welchen Fragen sie auf uns zukommen.“  

Vielfältige Polizeiarbeit

Bei der nächsten Station informiert Polizeikommissar Michael Bauchrowitz über die vielfältige Polizeiarbeit, bremst aber auch übertriebene Erwartungen durch Krimireihen wie „Cobra 11“. Ob im Rahmen von „B.O.P. passende Bewerber gefunden werden, da ist Bauchrowitz skeptisch: „Wir nehmen grundsätzlich jeden ernst, aber jemanden die Eignung an der Nasenspitze anzusehen, ist schwer möglich.“ Marlena und Neele haben gleichwohl etwas mitgenommen: „Es geht nicht nur ums Schießen. Man versucht oft, das Problem anders zu lösen.“

Quelle: NOZ vom 24.02.2017, C. Halbach